Sonntag, Mai 20, 2012

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Montana Sacra
Montana Sacra – Der Heilige Berg
Originaltitel: The Holy Mountain, 1973
Regie: Alejandro Jodorovsk

Dieser Film ist ein exzentrisches Kunstwerk der späten 60er Jahre – eine Art Persiflage auf die Philosophie- und Glaubensmodelle. In den extremen und rein sinnbildlichen Bildern steckt ein klarer und genialer Symbolismus, der trotz seiner ganzen Übertriebenheit auch eine sehr nüchterne Stimmigkeit hat. Die Glaubensmodelle, die sich in unserer Gesellschaft zu prostituieren scheinen, werden von einem Jesus „abgearbeitet“, der nicht einfach nur Heiland, sondern gleichermaßen auch ein Narr auf der Suche nach sich selbst ist. Obwohl der Film so exhibitionistisch gemacht ist, dass keine klare Storyline erkennbar ist, scheint dieser Charakter innerhalb der verwirrenden Handlungsfäden der eigentliche Hauptdarsteller zu sein. Auf dem Weg ins Glück begegnet er einem Alchemisten, der verschiedene archetypische Wesen um sich versammelt hat, welche die astrologischen Symbole verkörpern (Venus, Mars, Jupiter usw.). Sie ziehen gemeinsam los, um den heiligen Berg der Erkenntnis zu finden, und unterwegs zeigen sich alle esoterischen Modelle auf groteske Wert und Weise, die der Mensch auf der Suche nach Sinn entwickelt hat.

Geschickt verbindet Jodorovski seine dramatischen Szenerien mit gestylten und tiefgründigen Symboliken, die Assoziationsfragmente aus dem Christentum bildlich und inhaltlich mit Bereichen aus dem Tarot und der Alchemie verknüpfen. Sie sind so überzogen dargestellt, dass dem Zuschauer die Illusionen und Täuschungen verdeutlicht vor Augen geführt werden. Das Ende ist genial in seiner philosophischen Einfachheit und Tiefe. Eine seltene Perle der Filmhistorie.

Phaedra und Akron